Reaktionen auf Beiträge von Frauen in Social Media

Download: 2013_auswertung_reaktionen_socialmedia

Was politisch aktive Frauen in Social Media an Reaktionen erleben, ist teilweise ganz schön heftig. Ich habe im Dezember eine Online-Befragung durchgeführt, weil ich im Rahmen meines Masterstudiumstudiums Webwissenschaften an der JKU ein Seminar “Online-Forschen” belegt  und das zum Anlass genommen habe, der Frage nachzuspüren, was sich politisch aktive Frauen online so alles “anhören” müssen, wie  sie damit umgehen und welche Maßnahmenvorschläge sie haben, um die Situation zu verbessern. Und zu verbessern gäbe es in der Tat einiges.

Aber der Reihe nach: Die Zielgruppe  Social-Media-affine Frauen  wurde mit der Befragung  jedenfalls erreicht. Fast 30 % der teilnehmenden Frauen hat in den letzten drei Monaten selbst gebloggt, 32 % waren auf Twitter aktiv (Laut Social Media Radar Austria gibt es in Österreich nur rund 34.000 schreibende Twitter Accounts) und 35 % haben in Foren kommentiert.

Die Hälfte derer, die auf ihre Beiträge auch negative Reaktionen erhalten, gab an, auch schon beschimpft worden zu sein. Nachgefragt, bei welchen Themen sie besonders mit Anfeindungen konfrontiert sind, gaben über 60 % an, dass dies vor allem bei Beiträgen zum Thema Gleichberechtigung  der Fall ist, abgeschlagen auf Platz zwei mit 28 % folgen Beiträge zu Religionen und interkulturellem Zusammenleben.

Mehr als die Hälfte der Frauen sind der Ansicht, dass sie als im Internet aktive Frau besonderen Anfeindungen ausgesetzt sind. Und wenn man nun einen Blick auf die verschiedenen Themen wirft zieht es sich wie ein roter Faden durch:  Frauen- bzw. feministische Themen sind für viele Männer ein rotes Tuch. Worauf sie die Grenzen der Höflichkeit verlassen und beginnen zu beschimpfen.  55 % der Teilnehmerinnen gaben nämlich  an, dass Männer  bei frauenpolitischen Themen speziell negativ reagieren (zusammen mit den 12 % die angeben, dass Männer wie Frauen beide negativ reagieren, sind es  67 %). Kein anderes Thema schafft ähnlich hohe Werte. Auf Platz zwei folgen mit 26 % wirtschaftspolitische Fragen, die die Männer auch speziell zu Beschimpfungen verleiten. (“Du kennst dich ja da nicht aus”) Sind die Frauen mit Anfeindungen konfrontiert, versucht eine Mehrheit (54 %) sachlich darauf einzugehen. Für 43 % ist es außerdem eine Lösung, den Beschimpfer einfach zu ignorieren. Für ein Viertel der Teilnehmerinnen ist allerdings der Rückzug eine häufig gewählte Reaktion auf solches Verhalten.

Gefragt, welche Maßnahmenvorschläge sie als erfolgversprechend bewerten, geben 74 % Internet und Kommunikation als Pflichtfach in der Schule die größten Chancen auf Wirksamkeit. Übertroffen nur  von dem Wunsch nach einer allgemeinen Sensibilisierung (79 %) Der Klarnamenpflicht erteilen die Userinnen hingegen eine klare Absage.

In Social Media aktive Frauen sind zahlreichen (sexistischen) Anfeindungen ausgesetzt, einen kleinen Einblick davon bieten die vorliegenden Ergebnisse. Ich bin keine Soziologin und habe daher auf jegliche Interpretation verzichtet, aber der Bericht steht hier zum Download bereit und ich freu mich, wenn er auf Interesse stoßt. Vielen lieben Dank an die zahlreichen Teilnehmerinnen!

Download: 2013_auswertung_reaktionen_socialmedia

Artikel in DieStandard: http://diestandard.at/1358303846160/Frauenpolitik-im-Netz-macht-wuetend

Weitere Reaktionen in Medien: https://puravida288.wordpress.com/2013/03/16/sexismus-im-netz-zusammenstellung-der-reaktionen-auf-meine-onlinebefragung/

 

 

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3 Responses to Reaktionen auf Beiträge von Frauen in Social Media

  1. philippaller says:

    Eine interessante Studie, auch wirklich gut gemacht, ich habe mich nur gefragt warum alle Fragen optional waren – gab es dafür einen Grund? Ist ja ein bisschen schade, dass ihr so viele Teilnehmerinnen gefunden habt dass die Studie evt. schon repräsentativ ist, und dann bei einzelnen Fragen die Basis nur noch 20% des Samples ist. Unabhängig davon eine tolle Sache eure Studie (…eine nette Grafik hätte dem Blogeintrag vielleicht noch gut getan). LG Philipp

    • Danke für dein Feedback. Die Abweichung aufgrund der optionalen Beantwortungsmöglichkeit ist nicht sehr hoch. Die Basis reduziert sich aus einem anderem Grund: Im Laufe der Befragung war die Befragung jeweils dann beendet, wenn die Frauen auf bestimmte Fragen mit Nein antworteten. 1. bekommen sie auf ihre fragen auch negative Reaktionen? Bei Nein war die Befragung vorbei (125 übrige) 2. waren bei den neg. Reaktionen welche dabei, die sie als Beschimpfung empfunden haben? Die Antwort “keine” schieden wieder aus (65 übrige). Und diese Gruppe hat bis auf die Frage nach den Themen bei denen Männer besonders negativ reagieren, bis zum Schluss alle fragen beantwortet. Diesbezüglich ist sie schon repräsentativ denke ich. Es scheitert vermutlich eher an der anonymisierten Erhebung. Aber wie gesagt, ich bin keine Soziologin 🙂

      Von meinem iPhone gesendet

      • philippaller says:

        Ah natürlich, jetzt hab ich es verstanden. Und jetzt wo man’s weiß stelle ich auch fest, dass das eh auch sehr ordentlich so in deiner Beschreibung der Ergebnisse steht – ich bin wohl als Zahlenfreund zu schnell ins Dokument direkt zu den Tabellen gezogen 🙂
        ad anonymisierte Erhebung: naja anonym muss doch sein, bin zwar auch kein Soziologe, aber Anonymität ist bei heiklen Themen doch immer wichtig um alle Gruppen zur Teilnahme zu bewegen, sonst machen im schlimmsten Fall genau die Betroffenen lieber nicht mit.

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